ich beginne meine suche nach der wirklichkeit. ich sitze hier und denke immer wieder an diese eine situation. sie geht mir nicht aus dem kopf. ich stehe im keller und siehe meine schuhe an. mein blick fällt durch die glastür nach draußen und ich sehe meinen vater, welcher gerade mit meinem fahrrad wegfahren möchte. ich denke, da er einfach selber keine zeit hatte, sein eigenes fahrrad aus dem schuppen zu holen. innerhalb von sekunden schaltet mein gehirn auf warnung und ich öffne schnell die tür. ich rufe ihm zu, dass ich es selbst brauche, er solle es bitte stehen lassen, ich müsse in 10 minuten beim arzt sein. ich schaue auf die uhr und es ist 20 minuten vor 5 uhr am nachmittag. also schnell jacke überziehen und den schal umgebunden. während der nächsten stunden geht mit das bild der uhr nicht aus dem kopf. ist es nicht erstaunlich, dass es sowas wie zeit gibt? aber wer kann eigentlich genau sagen, welches spielchen das leben mit uns spielt? 'keine zeit' - woher weiß ich, dass er nicht noch tage, oder sogar wochen gehabt hat, um das fahrrad aus dem schuppen zu holen. 'innerhalb von sekunden' - sekunden? was sind schon sekunden. würde eine ameise mir dabei zugeguckt haben, wären es für sie auch sekunden? ich denke, für diesen weg, die hand zur tür zu bewegen, sie zu öffnen und wieder zu schließen, hätte diese kleine kreatur jahre gebraucht.
je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr angst bekomme ich. denn wer kann mir schon sagen, dass sich die ganze welt nicht nur in meinem kopf abspielt. dass diese 10 minuten, nur in meinem kopf 10 minuten sind. es könnte doch sein, dass es für jeden anderen nur 2 minuten sind. es fasziniert mich, darüber nachzudenken, was zeit ist. 'ich zähle die sekunden, bis du wieder da bist.' - wer hat diesen satz noch nicht gehört. im grunde zählt man ja dann die minuten, die stunden, die tage, die wochen. manche warten auch jahre. mir fällt auch, warten ist ein gutes wort. ich verbinde warten mit zeit. zeit ist gleich warten, und warten ist zeit.
ich bin grundsätzlich immer und überall zu spät. aber kann ich wirklich sagen, dass ich die jenige bin, die nicht rechtzeitig erscheint? warum sind alle anderen nicht einfach zu früh dran. ich weiß nicht wieso, aber ich schaue auf die uhr und sehe, ich habe noch 30 minuen, bevor ich an der haltestelle sein muss. also 20 minuten, bevor ich aus der tür muss. ich möchte jede minute ausnutzen, jede sekunde meines lebens verwenden. ich setzte mich gemütlich auf das sofa, schalte den fernseher ein und genieße den moment. kurze zeit später bin ich vertieft in den bericht über die tierärzte, welche noch ein paar minuten haben, dem hund das leben zu retten. tausend fragen gehen mir durch den kopf. sie haben noch ein paar minuten. aber es könnte doch sein, dass er es nichtmal mehr eine sekunde aushält. wer kann wirklich sagen, dass der hund noch genug kraft hat? durch das klingeln meines handys werde ich rausgerissen. ich schaue auf die uhr und fasse es nicht. noch 5 minuten. es kommt mir vor, als würde ich erst ein paar minten dort gesessen sein. ich ziehe meine schnuhe an, nehme meine jacke und meine tasche in die hand und laufe los. mein unterbewusstsein weiß eigentlich schon, dass ich es nciht schaffen werde. super, da stehe ich nun und sehe das ende der bahn wegfahren. die nächste fährt in 9 minuten. gut, denke ich mir, was sind schon 9 minuten. ich krame in meiner tasche, laufe auf und ab, setzte mich auf die bank und stehe wieder auf. ich muss warten, wohl oder übel. ich hasse warten. grundsätzlich ist es verschwendete zeit. ich werde nervös und nichts kann meinen blick fesseln. ich schaue von sache zu sache, von person zu person. nach gefühlten 30 minuten setzte ich mich endlich in die bahn und fahre los.
zuerst werden 20 minuten zu gefühten 5. dannach werden 9 minuten zu einer gefühlten halben stunde. und das alles an einem tag, das alles innerhalb von ein paar stunden.
erstaunlich.
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